Indien
steht für die Worte „Spiritualität“ und „Armut“. Der letztere Begriff
haftet an Indien wie auch das Etikett „Hungersnöte“, doch die sind für
Indien seit über 40 Jahren kein Problem mehr. Dank der verbesserten
Bewässerungssysteme, der Grünen Revolution und der vermehrten
Transportmöglichkeiten in Notfällen funktioniert die Versorgung besser
als je zuvor.
Die westlichen Medien tragen durch Ihre
Art der Berichterstattung dazu bei, Indien als ein Land der
Katastrophen, Gesundheits- und Unfallrisiken darzustellen.Katastrophen,
z.B. bei Eisenbahnun-glücken, in Bergwerken, bei Erdbeben oder in
Chemiefabiken, machen einen überproportionalen Teil der
Indienberichterstattung aus. Doch Katastrophen ereignen sich leider
auch in anderen Ländern. Indien ist immerhin neunmal so groß wie die
Bundesrepublik! Die indische Kriminalität ist dagegen viel niedriger
als in den meisten europäischen Urlaubsländern.
Die
Inflation der indischen Währung ist seit einigen Jahren gestoppt und
die Inflationsrate der Rupie sogar auf 1,6 Prozent ge-senkt. Der
kaufkräftiger Mittelstand macht inzwischen ca. ein Drittel der
indischen Bevölkerung aus. Das bedeutet auch, daß es sich Inder heute
wie nie zuvor leisten können, das eigene Land zu bereisen. Rund 100
Millionen inländische Touristen werden derzeit jährlich gezählt, so daß
auch mehr in Hotels, in die Verkehrsindustrie und in vielerlei
touristische Einrichtungen investiert wird. Im Vergleich dazu reisen
„nur“ knapp zweieinhalb Millionen ausländische Touristen in Indien ein.
Aber auch hier ist eine Entwicklung zu sehen. Innerhalb eines
Jahrzehnts ist diese Zahl um rund 50 Prozent gestiegen. Übrigens machen
die deutschen Indienbesucher den größten Anteil der Europäer aus. Aber
auch Inhalt des Reiseziels hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Neben
Sightseeing in Delhi, Agra und Jaipur sowie Relaxen an den langen
Palmenstränden von Goa spielen heute auch andere Interessensgebiete
eine große Rolle: Trek-kingtouren im Himalaja, Rundfahrten im
historischen Luxuszug, Hausbootferien auf den Backwaters, Ayurvedakuren
in Kerala. Zunehmend von Interesse sind Yoga- und Meditationskurse in
Ashrams.
Der wirtschaftliche Aufschwung in Indien
begann am 21. Juni 1991. Damals stand der indische Staat vor dem
Konkurs. Aber die neugewählte Regierung stoppte die Finanzkrise, die
durch gesellschaftliche Strukturen bedingt war. Ausländische
Investitionen waren durch prohibitive Gesetze und undurchdringliche
Bürokratie ferngehalten worden. Dies sollte nun ein Ende finden. Die
neuen Zauberworte heißen seither „Markwirtschaft“ und „Privates
Unternehmertum“. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, daß Indien rund
dreimal so viele Einwohner hat wie in der gesamten Europäischen Union
zusammen, dann ahnen Sie vielleicht, was für eine gewaltige Aufgabe vor
der indischen Regierung stand. Erschwert wurde diese Umstrukturierung
vor allem auch durch die unzähligen Religionen, Glaubensgemeinschaften,
unterschiedlichen Stämmen und Volksgruppen mit unterschiedlichen
Entwicklungs- und Bildungsgraden. Wegen der rückständigen Grundschulen
auf dem Lande gibt es mehrere Millionen Analphabeten, in einigen
Bundesländern sind es sogar über 50 Prozent der Bevölkerung.
In
Indien gibt es 17 offizielle Sprachen, 541 Dialekte, 3200 Kilometer von
Nord nach Süd Ausdehnung, fast 3000 Kilometer von Ost nach West; sieben
große Religionen und unzählige Sekten, aber eine aufs Säkulare
verpflichtete Regierung, mehr als eine Milliarde Einwohner, 283
Einwohner pro qkm (in Ballungsgebieten oft weit über 2000 pro qkm) Wer
kennt nicht die Bilder aus der Berichterstattung im Fernsehen über
Indien: Menschentrauben, die an völlig überfüllten Bussen oder Zügen
hängen; religiöse Zeremonien am Ganges, wo tausende Inder am Ufer sich
drängen... Dennoch ist es immer ein farbenprächtiger Menschenstrom. Der
einzelne Mensch zeigt sich immer freundlich, gefühlvoll und im höchsten
Maße neugierig. Man wird immer wieder angesprochen: „Coming from?“
Ebenso bekannt ist die Gastfreundschaft und der Nationalstolz der
Inder. Die meisten Inder sind zutiefst gläubig. Ca. 80 Prozent der
Inder praktizieren den Hinduismus. Brahma ist ihr Schöpfergott, der im
Auftrag Shivas und Vishnus die Welt schuf. Brahma wird mit 4 Köpfen
dargestellt, meist begleitet durch einen Schwan. Seine Frau ist
Sarasvati, Göttin der Kunst und der Wissenschaft, der ein Pfau folgt.
Erhalter der Welt ist Vishnu, dargestellt mit vier Armen. Der
Göttervogel Garuda ist immer an seiner Seite. Shiva ist als Zerstörer
der Welt und zugleich als Lebensspender bekannt. Er reitet auf dem
Bullen Nandi.
Jeder Hindu glaubt an sein Karma, die
Sum-me aller Handlungen, die er im Leben vollbringt und die ihm im
nächsten Leben vergolten werden. Der Tod löst zwar den Körper auf, aber
nicht die Seele, die nach der Samsara (Seelenwanderung) in einen neuen
Körper wiedergeboren wird. Je nach Vor-leben wird sie dann in einer
höheren Kaste auf- oder in einer niederen absteigen. Das letzendliche
Ziel der Hindus ist jedoch, sich aus dem Rad der Wiedergeburten zu
befreien, in die Moksha (Erlösung) einzugehen.
Das
Kastensystem ist zwar in der indischen Verfassung abgeschafft worden,
aber immer noch spielt es in gesellschaftlichen und familiären
Beziehungen eine große Rolle.
Geschichte:
Vor 400.000 bis 10.000 Jahren
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Besiedlung von nomadischen Jägern und Sammlern |
Um 4.000 v. Chr.
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erste Siedlungen im Industal: eine Muttergöttin wurde verehrt |
Um 2800 v. Chr.
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Harappa-Kultur im Industal: Seehandel, künstl. Bewässerung, Schrift
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Um 1.400 v. Chr.
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Arische Nomaden wandern aus afghanischen und persischen Gebieten zu; Hinduismus und Kastensystem entstehen
|
563 – 477 v. Chr.
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Buddhismus und Jainismus werden gegründet |
327 – 325 v. Chr.
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Alexander der Große marschiert bis zum Indus, bricht persiche Vormacht
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Um 320 v. Chr.
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Erstes nordindisches Kaiserreich entsteht (Maurya-Dynastie)
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1. Jh. n. Chr.
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Apostel Thomas in Indien |
4. – 8. Jh.
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Aufstieg und Herrschaft der Gupta-Dynastie. Neue Blüte der indischen Kultur
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1192 – 1193
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Sieg des Islam: Der afghanische Sultan Mohammed Ghori nimmt Delhi ein
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1206
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Gründung des Sultanats von Delhi (genannt Sklavendynastie)
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1398
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Der Mongole Tamerlan (Timur Lenk) erobert Delhi und Nordindien |
1498
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Vasco da Gama erreicht auf dem Seeweg Indien. Beginn des Handels mit Europa und der Missionierung in Indien
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1526
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Gründung des Reichs der Großmoguln durch Babur |
1555 – 1605
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Kaiser Akbar der Große dehnt Mogulreich von Afghanistan nach Burma und vom Himalaja bis zur Südspitze aus
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1612
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erste britische Niederlassung in Surat (Gujarat) |
1627 – 1658
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Großmogul Shah Jahan dehnt Reich weiter aus, läßt das Taj Mahal bauen
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1658 – 1707
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British East India Company gründet Handelsniederlassungen in Madras, Bombay und Calcutta
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1757 – 1774
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mehrere Siege der Briten gegen die Moguln |
1829
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Briten verbieten Witwenverbrennung |
1857 – 1858
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Aufstand
gegen Briten. Niederschlagung mit Hilfe loyaler indischer Fürsten. Den
Indern werden formell dieselben Rechte zugebilligt wie britischen
Staatsbürgern
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1877
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Queen Victoria wird Kaiserin von Indien |
1911
|
George V. wird Kaiser von Indien, neue Hauptstadt Delhi
|
1920
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Mahatma Ghandhi ruft zum gewaltlosen Widerstand auf
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1930
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Gewaltloser „Salzmarsch“ gegen das britische Salzmonopol
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1947
|
Unabhängigkeit von Großbritanien, aber Teilung in Indien und Pakistan
|
1948
|
Ermordung Ghandhis durch einen Hindu-Extremisten |
1962
|
China greift Indien an |
1965 – 1966
|
Indisch-pakistanischer Grenzkrieg um Kaschmir |
1971
|
Ostpakistan erklärt sich von Indien unabhängig, wird als Bangladesh anerkannt |
1984
|
Indira Gandhi wird von einem Sikh ermordet |
1991
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Wendepunkt der staatlich dirigierten Wirtschaft: Liberalisierung zur Marktwirtschaft |
1995
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Kashmir-Rebellen
(von Pakistan geschürt) entführen ausländische Touristen, wollen auf
immer noch lodernden Kaschmirkonflikt zwischen Indien und Pakistan
aufmerksam machen
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1997
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Asche Gandhis wird nach 49 Jahren endlich in den Ganges gestreut
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| 1999 |
Neuer Krieg um Kaschmir droht wegen pakistanischer Aggression, kann jedoch vermieden werden |
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